WerkBundStadt_Tanklager

Mit der Auflösung des 2,8 Hektar großen Tanklagers am Spreebord soll ein ganzes Viertel in Charlottenburg-Nord wieder an die Stadt angebunden werden. Die Verantwortung für den Neubau des Wohn- und Arbeitsquartiers liegt in den Händen des Berliner Werkbunds. Die Erwartungen an die Struktur der Bebauung und Nutzung sind auf Seiten aller Beteiligter sehr hoch. Nicht nur städtebaulich und architektonisch, sondern auch von der Bevölkerungsmischung her soll die zukünftige WerkBundStadt mit rund 1.100 neuen Wohnungen ein lebendiges Stadtquartier werden, wie es seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut wurde.

Konzept

Der Wohnort des Menschen des 21. Jahrhunderts ist die Stadt. Hier ist er Teil eines Kollektivs und Individuum zugleich. Hier lebt und arbeitet er, hier kann er sich sozial und kulturell entfalten. Die Stadt und ihre Organisation, das Gefüge aus Gebäuden, Plätzen, Straßen und Gärten ist immer wieder Anlass zu idealistischen, utopischen und vorbildlichen Planungen. Die Suche nach dem Bild der Stadt ist immer auch eine Suche nach einem angemessenen Bild der Gemeinschaft.

Das Wohnhaus als das konstituierende Element der Stadt gibt ihr Form und Gestalt. Die Wohnung als persönlichster Ort der Menschen ist der Ausgangspunkt aller planerischen Überlegungen. In ihrer Ausprägung und Gestaltung spiegeln sich die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Belange der Zeit.

Der Werkbund hat sich in seiner Geschichte wiederholt der Aufgabe gestellt, eine modellhafte Antwort auf die drängende Frage nach zeitgemäßem städtischen Wohnen zu finden und bis heute vorbildliche Siedlungen geschaffen. Das kommende Projekt wird allerdings – fast einhundert Jahre nach Stuttgart-Weißenhof und nach den Erfahrungen mit der in der Folge vielfach manifestierten Idee der Siedlung und Großsiedlung – eine andere Entwicklungsrichtung haben: Es wird keine neue Werkbundsiedlung, sondern eine Werkbundstadt entstehen; ein dichtes, urbanes Quartier zum Wohnen, Leben und Arbeiten in Berlin. Es wird mit allen Beteiligten ein Diskurs über ökonomische Bedingungen und politischen Willen, über Verkehr und öffentlichen Raum, über Energie und technische Möglichkeiten geführt. Und über eine zeitgemäße Form und Gestaltung und reale und materielle Qualitäten, die all dies einlösen.

Verfahren

Zur Planung und Vorbereitung der Realisierung der WerkBundStadt wurden im Herbst 2015 zunächst die Grundlagen für den Entwurfsprozess geschaffen: In vier Konzept-Klausuren haben Experten aller relevanter Disziplinen und die am Projekt beteiligten Architekten die gestalterischen, bautechnischen, sozialen, ökonomischen, ökologischen und politischen Leitlinien des konkreten Bauens und Wohnens erarbeitet. Mit der Durchführung der vier Klausuren verband sich die Erwartung an einen konkreten Erkenntnisgewinn für die Konzeption der WerkBundStadt. Einzige schon im Vorfeld feststehende Leitidee war die einer dichten funktionsgemischten Stadt. Die Ergebnisse der Klausuren sind in Regularien formuliert als Planungsidee und Grundlage in den Entwurfsprozess mit eingeflossen. Im November 2015 fand die 5. Klausur zur Konzeption und Entwicklung des städtebaulichen Rahmenplans statt, der im folgenden mit den behördlichen und politischen Vertretern des Bezirkes diskutiert und abgestimmt wird. Auf Grundlage des konzipierten Städtebaus entwickeln seit März 2016 die beteiligten 33 Architekturbüros jeweils drei Entwürfe für die verschiedenen Gebäude. Die Auslosung der Parzellen erfolgte im Rahmen der 6. Klausur, die zudem der Diskussion der architektonischen Regularien diente. Die 7. Klausur wird im vom 8. bis 10. Juli 2016 in Amsterdam stattfinden und mit der konkreten Auswahl der Vorentwürfe für die einzelnen Grundstücke enden. Darüber entscheiden werden alle beteiligten Architekten gemeinsam mit den Eigentümern. Der Werkbund Berlin begleitet das Verfahren federführend und steuert die Realisierung mit Blick sowohl auf die Umsetzung der Konzeption als auch auf vorbildliche Planungsabläufe.