Bernd Albers Architekt

Duitsland, Deutschland, Germany, Berlin, Berlijn,  27.11.2015. Galerie Hempel, Lindenstrasse 35. 5. Konzept-Klausur WerkBundStadt Berlin.
Foto: Erik-Jan Ouwerkerk

Altgier trifft Neugier

Obwohl die Innenstadt auf dem Wohnimmobilienmarkt heute eine ungeahnte Konjunktur erlebt, scheint die architektonische und städtebauliche Relevanz der gebauten Projekte bislang eher dürftig zu sein – sieht man von einigen ambitiösen Baugruppenprojekten einmal ab. Den privat finanzierten wie den öffentlich geförderten Großprojekten gelingt es ganz offenbar nicht der urbanen Dimension des in die Innenstadt heimkehrenden Wohnungsbaus Form und Sprache zu geben. Zugleich wird der für die europäische Stadt existentielle Mix an Bewohnern und Nutzungen zwar im Bestand genutzt, nicht aber im Neubau erzeugt. Im Ergebnis also homogenisierte Bewohnerstrukturen und eine entsprechende Architektur, die den Vorlieben ihrer Klientel Ausdruck verleiht, Stadt als sozialer Raum – Fehlanzeige.

Nachdem endlich die Siedlung als suburbanes Erfolgsmodell des frühen 20. Jahrhunderts ihre Attraktivität verloren hat, kommt nun die tradierte Stadtarchitektur mitsamt ihren elaborierten Haustypologien konsequenterweise wieder zu ihrem Recht. Wenn dann noch die Berliner Tradition durch die großartigen gründerzeitlichen Stadterweiterungen und den immer wieder beeindruckenden Reformwohnungsbau geprägt sind, wird uns Architekten nun wohl nichts anderes übrig bleiben, als uns an diesen Qualitäten endlich zu messen. Wir werden also mit einem gehörigen Quantum an leidenschaftlicher Altgier die neuen Herausforderungen durch diese Brille neu zu sehen haben. Dass uns dabei der altgierige Respekt nicht ausreichen wird ist absehbar, daher die neugierige (Vor)Freude auf die WerkBundStadt Berlin.