Duitsland, Deutschland, Germany, Berlin, Berlijn,  28.11.2015. Galerie Hempel, Lindenstrasse 35. 5. Konzept-Klausur WerkBundStadt Berlin.
Foto: Erik-Jan Ouwerkerk

Zur Planung und Vorbereitung des Realisierungsprojektes wurden im Herbst 2015 zunächst die Grundlagen des Entwurfsprozesses geschaffen: In vier Konzept-Klausuren wurden gemeinsam mit den Experten aller relevanter Disziplinen und den am Projekt beteiligten Architekten die gestalterischen, bautechnischen, ökonomischen, sozialen, ökologischen und politischen Leitlinien erarbeitet. Der Charakter der Symposien und die avisierte Funktion als Denkfabrik moderner Architektur und modernen Städtebaus verweisen auf die CIAM-Kongresse (Congrès Internationaux d‘ Architecture Moderne) zwischen 1928 und 1959, mit denen sie auch die wesentlichen überzeitlichen Aussagen teilen. Die Ergebnisse der Klausuren münden in einem verbindlichen Reglement für die Planer der WerkBundStadt.

1. Konzept – Klausur

Thema GELD Politik und Investment
Datum 4. September 2015
Tagungsort Düsseldorf
Partner Grohe

Zu den zentralen Fragen des Wohnungsbaus gehören die Finanzierung und die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. Wie entwickelt und finanziert man bezahlbaren und qualitätsvollen Wohnraum, der auf lange Sicht Bestand hat und nachgefragt bleibt? Welche Investitionsziele und Finanzierungsmodelle gibt es seitens der Genossenschaften, der Wohnungsbaugesellschaften und privater Investoren? Welche Tendenzen sehen die Forscher und Wissenschaftler und wie ist die wirtschaftliche Entwicklung steuerbar? Was kann die Politik tun, um einen Wohnungsbau zu fördern, der vielen Anforderungen entspricht und von dem viele profitieren? Mit welchen Instrumenten können sowohl die kommunalen als auch die privatwirtschaftlichen Ziele abgesichert werden? Tragen beispielsweise die aktuell gültigen bautechnischen Anforderungen dazu bei, dass bezahlbare und nachhaltig qualitätsvolle Wohnungen und Häuser entstehen? Tragen die planungsrechtlichen Bedingungen dazu bei? Klare politische Ziele sind von elementarem Einfluss auf die Entwicklung städtebaulicher Leitlinien. Wie sieht kluge Städtebauförderung aus? Wie kann sich die Stadtplanung profilieren? Wie können Planungsrecht, Bauordnungsrecht und Bebauungsplanverfahren verändert, dynamisiert und auf expandierende Städte und Stadtteile des 21. Jahrhunderts hin ausgerichtet werden? Was ist den verschiedenen Beteiligten Wohnen tatsächlich wert? 

Kurator Dr. Hans-Achim Grube
Referenten Prof. Dr. Kristin Wellner, Rainer Latour, Prof. Dr. Eberhard von Einem, Frank Bielke
Experten Michael Lange, Stefan F. Höglmaier, Georg Knacke

Dokumentation der Tagung

2. Konzept – Klausur

Thema TECHNIK Energie und Nachhaltigkeit
Datum 25. September 2015
Tagungsort Münchenbernsdorf
Partner Carpet Concept

Fragestellung

Die allererste Aufgabe der Technik beim Bauen scheint heute klar definiert: Energie einsparen. Dieses Ziel wurde im Zuge der globalen Herausforderungen des Klimawandels und schwindender Ressourcen immer wichtiger und beeinflusst einen Großteil der Entwurfsentscheidungen. Technische Innovationen sind gefordert und werden in vielen relevanten Bereichen des Bauens entwickelt und eingesetzt. Einigkeit über deren Sinn und Angemessenheit herrscht dabei jedoch nicht. In letzter Zeit zeichnet sich vor allem unter Architekten ein Widerstand gegen die übermäßige technische Aufrüstung von Gebäuden ab.

In der Debatte um den richtigen und klugen Einsatz von Technik in Wohngebäuden sind im Moment gegenüber den hochtechnisierten Anlagen sogenannte „low-tech“ Strategien auf dem Vormarsch. Ein Trend mit dem Ziel, die haustechnischen Anlagen auf ein Minimum zu reduzieren und dabei die heute zentralen Aufgaben des Energie- und Ressourcenschonens verstärkt in die Grundstruktur der Architektur zu verlagern. Mit der Frage, was grundlegende architektonische Aspekte wie Bauweise und Materialität, Typologie und Geometrie von Gebäuden für das Einsparen von Energie und die Schonung von Ressourcen leisten können, wird das Thema der Technik für Architekten auf eine neue Art und Weise interessant. Wie gut aber können „low-tech“ Konzepte tatsächlich die energetischen Anforderungen an das städtische Wohnen erfüllen und welche Lösungen sind angemessen, nachhaltig und ökonomisch sinnvoll?

Kurator Dr. Matthias Ballestrem
Referenten Prof. José Gutierrez Marquez, Hans-Ullrich Grassmann, Anthony Davies, Prof. Dr. Gerhard Hausladen
Experten Thomas Funke, Stefan Preidt, Bernhard Herrmann

3. Konzept – Klausur

Thema FORM Nutzung und Gestaltung
Datum 10./11. Oktober 2015
Tagungsort Bühl
Partner USM

Fragestellung

Das Wohnen ist das Amalgam der Städte. Die weitaus meisten Gebäude in einer Stadt sind Wohnhäuser. Sie formen den Körper der Stadt. Daher ist für das künftige Bild der WerkBundStadt ganz entscheidend: Wie soll das Wohnen in Zukunft aussehen, welche Erwartungen gibt es an die Form des Wohnens? Wie muß eine Bebauung strukturiert sein, um beides möglich zu machen: Die vollkommene Privatheit bei gleichzeitiger Teilhabe am tosenden Leben der Stadt? Wie werden Grenzen zwischen öffentlich und privat definiert? Wie stehen Gebäude zueinander und welche Bedeutung hat der Raum zwischen ihnen? Welche privaten Freiräume sind möglich? Wie stehen Häuser an einer Straße oder an einem Platz? Wie „sprechen“ sie zum öffentlichen Raum, insbesondere in der Erdgeschosszone? Um den benötigten Wohnraum in der Stadt zu schaffen, aber auch, um nicht noch mehr Energie und Landschaft zu verbrauchen, führt kein Weg an einer baulichen Dichte vorbei. Aber wie dicht ist dicht? Welche Haustypologien generieren welche Wohnungen? Und muss ein Haus immer als Wohnhaus erkennbar sein? Kann ein Haus nicht auch viel mehr sein? Ein Stadtbaustein mit vielfältiger Nutzbarkeit, auch Wohnen? Die Vielfalt und Lebendigkeit des urbanen Lebens entsteht durch eine Mischung sozialer Zugehörigkeiten und funktionaler Angebote. Gleichzeitig haben sich die Lebensformen verändert. Individuelle Mobilität und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben zu neuen Arbeitsstrukturen geführt. Welchen Einfluß nehmen homeoffice-Arbeitsplätze oder die Erfordernisse unterschiedlicher Lebensabschnitte auf Wohnungsgrundrisse? Wieviel Wohnfläche pro Kopf ist angemessen? Führen Mobilität und wirtschaftlichen Bedingungen zu Miniwohnungen und wie würden sich dadurch Bauformen und unser soziales Leben verändern? Leben wir weiterhin individuell oder gewinnen gemeinschaftliche Wohnformen zunehmend an Bedeutung? Und nicht zuletzt: Soll Wohnen nicht auch schön sein?

Kuratorin Birgit Roth
Referenten Prof. Dr. Vittorio Magnago Lampugnani, Prof. Dr. Tilman Harlander, Prof. Dr. Wolfgang Sonne, Prof. Dr. Michael Mönninger
Experten Anne Kaestle, Prof. Axel Kufus, Prof. Christian Rapp

4. Konzept – Klausur

Thema STADT Öffentlicher Raum und Verkehr
Datum 7. November 2015
Tagungsort Weil am Rhein
Partner Vitra

Fragestellung

Die Sicht auf die Aufgaben und die Gestaltung des öffentlichen Raumes hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark verändert. Er muss heute mehr sein als Abstandsgrün. Er soll eine hohe Aufenthalts- und Gestaltungsqualität haben, sicher sein und vielfältig nutzbar, inklusiv und jedem zugänglich, zwischen Privatheit und Öffentlichkeit vermitteln und für die Stadt auch klimatisch positiv wirken. Dass so viele Bewohner der Stadt mit ihren differierenden Interessen den öffentlichen Raum so vielfältig nutzen, zeugt von einer Wertschätzung gegenüber dem Allgemeingut ‚Raum‘ und zeitigt neue Herausforderungen an die Planer und Gestalter dieser Räume, an Bauherren, Architekten und Mitarbeiter in den Verwaltungen. Das Verhältnis der Bewohner der Stadt zum öffentlichen Raum hat immer auch zu tun mit deren Beziehung zum Verkehr. Und auch die hat sich verändert. Das längst nicht mehr für jeden Einzelnen eindeutige Mobilitätsverhalten wird Konsequenzen auf die künftige Aufteilung des öffentlichen Raumes haben. Wie öffentlich soll und muss eine Stadt sein, wo endet der öffentliche, wo beginnt der private Raum und wie wird zwischen diesen beiden vermittelt? Welche Nutzungen sollen im öffentlichen Raum möglich sein? Fährt man mit dem Auto in den Lift und bis in das Wohnzimmer, in die Tiefgarage oder parkt man am öffentlichen Straßenrand? Besitzen die Bewohner der WerkBundStadt keine eigenen Autos mehr, sondern nutzen eine gemeinsame Fahrzeugflotte? Müssen Anschlüsse für elektrische oder „autonome Autos“ vorgesehen werden? Oder blockieren hunderte Fahrräder die kostbaren Gemeinschaftsflächen?

Das Verhältnis von öffentlichem Raum und Verkehr ist aber nur ein Teil dieser Diskussion; Fragen nach der sozialen, klimatischen, ökologischen, ökonomischen  und kulturellen Bedeutung des öffentlichen Raums in der Stadt müssen – mit Blick auf die reellen aktuellen Anforderungen und prospektiv – ebenso verhandelt werden.

Kurator Aljoscha Hofmann
Referenten Prof. Dr. Harald Bodenschatz, Prof. Dr. Georg Franck, Prof. Dr. Oliver Schwedes, Michael Künzel

5. Klausur

Thema Städtebau
Datum 27. – 29. November 2015
Tagungsort Berlin

Dem Städtebau der WerkBundStadt liegen die Entwürfe von acht Planungsteams (16 Büros) der am Gesamtprojekt beteiligten Architekten zugrunde. In einem gemeinsamen Workshop, der vom 27. bis 29. November 2015 in der Berliner Galerie Jochen Hempel stattfand, wurden die Entwürfe der Architekten präsentiert und diskutiert. Grundlage der Planungen und verbindlich für deren Gestalt ist das im Anschluss und als Resultat der vier vorbereitenden Konzept-Klausuren formulierte Reglement der WerkBundStadt. Als Ergebnis dieses offenen, transparenten und diskursiven Verfahrens wurde ein gemeinsamer konzeptueller Entwurf für einen städtebaulichen Rahmenplan verabschiedet, der im Folgenden mit den behördlichen und politischen Vertretern des Bezirks diskutiert und abgestimmt wird. Beteiligt waren neben den Planungsteams, Vertreter des Berliner und Deutschen Werkbundes, die Grundstückseigentümer, Vertreter des Bezirks Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf, Nachbarn, potentielle Bauherren sowie beratende Wissenschaftler und Experten.

Planungsteams

Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur / Bernd Albers – Berlin
Hans van der Heijden Architect / office winhov / RAPP + RAPP – Amsterdam
Heide & von Beckerath – Berlin
Caruso St John Architects / jessenvollenweider architektur – London, Zürich und Basel
Jan Kleihues, Kleihues + Kleihues Architekten / Max Dudler – Berlin
Petra und Paul Kahlfeldt Architekten / RKW – Berlin und Düsseldorf
nps tchoban voss / Patzschke Architekten – Berlin
schneider + schumacher / Christoph Mäckler Architekten – Frankfurt am Main

Entwurf zum städtebaulichen Konzept

Im Gegensatz zu herkömmlichen Ideenwettbewerben wurde keine Juryentscheidung über einen erstplatzierten Entwurf herbeigeführt. Vielmehr haben die beteiligten 16 Architekten die Vorteile ihrer Einzelplanungen in einem gemeinsamen Schlusskonzept gebündelt. Eine derartige Kollektivarbeit von Architekten, bei der niemand ausschließlich seine eigene Handschrift durchsetzen konnte, ist sehr ungewöhnlich.

Skizze_Konzept_Staedtebau
Skizze städtebaulicher Konzeptplan
Modell_WerkBundStadt
Modell des städtebaulichen Entwurfs mit Nachbargrundstücken

Herausgekommen ist dabei weder eine stadtfremde Großstruktur mit ökonomisch optimierten Superblöcken noch eine vorstädtische Siedlung mit kleinmaßstäblichen Hauseinheiten. Charakteristisch für die WerkBundStadt ist eine ausgeglichene Struktur von fünf Baublöcken und einer „langen Reihe“. Ein zentraler Platz und öffentliche Straßen integrieren das Quartier in die Umgebung und schaffen eine Verbindung zur Spree. Die hohen Umgebungsbauten des benachbarten Kraftwerks erlauben die Setzung einiger Hochpunkte, die keine Solitäre sind, sondern Teile der Blöcke. Alle Häuser stehen direkt an Straßen und Wegen und bilden sichtbare städtische Adressen. Die Parzellierung der Blöcke hat insgesamt 38 verschiedene Häuser ergeben, die im weiteren Prozess von den beteiligten Architekten entworfen werden.

Regularien

 

6. Klausur

Thema Architektur und Parzellierung der Häuser
Datum 5. März 2016
Tagungsort Berlin

Über 50 beteiligte Architektinnen und Architekten, Freiraumplaner, die Grundstückseigentümer, Vertreter des Bezirks und das Projekt begleitende Wissenschaftler kamen am 5. März 2016 zur 6. Konzept-Klausur in das WerkBundHaus auf dem Tanklagergelände zusammen, um die Grundsätze und Gestaltungsrichtlinien für die Architektur der Häuser zu diskutieren und die Parzellen für die Vorentwürfe auszulosen. Grundlage war der bis dahin weiter ausgearbeitete und abgestimmte städtebauliche Konzeptplan. Im Ergebnis wurden die Regularien für die Entwürfe verabschiedet sowie das weitere Procedere des Planungsprozesses besprochen. Die Vergabe der Planungsgrundstücke erfolgte im Losverfahren. Jedes Büro konnte drei Lose mit unterschiedlich großen Häusern ziehen. Die Vorentwürfe werden bis zum Sommer 2016 erarbeitet und auf der 7. Klausur, die vom 8. bis 10. Juli in Amsterdam stattfinden wird, präsentiert und ausgewählt.

Duitsland, Deutschland, Germany, Berlin, Berlijn, 5.3.2016. Quedlinburger Strasse. Werkbund Stadt. Klausur und Auslosung der Grundstücke. Foto: Erik-Jan Ouwerkerk Duitsland, Deutschland, Germany, Berlin, Berlijn, 5.3.2016. Quedlinburger Strasse. Werkbund Stadt. Klausur und Auslosung der Grundstücke. Foto: Erik-Jan Ouwerkerk Duitsland, Deutschland, Germany, Berlin, Berlijn, 5.3.2016. Quedlinburger Strasse. Werkbund Stadt. Klausur und Auslosung der Grundstücke. Foto: Erik-Jan Ouwerkerk Duitsland, Deutschland, Germany, Berlin, Berlijn, 5.3.2016. Quedlinburger Strasse. Werkbund Stadt. Klausur und Auslosung der Grundstücke. Foto: Erik-Jan Ouwerkerk Duitsland, Deutschland, Germany, Berlin, Berlijn, 5.3.2016. Quedlinburger Strasse. Werkbund Stadt. Klausur und Auslosung der Grundstücke. Foto: Erik-Jan Ouwerkerk Duitsland, Deutschland, Germany, Berlin, Berlijn, 5.3.2016. Quedlinburger Strasse. Werkbund Stadt. Klausur und Auslosung der Grundstücke. Foto: Erik-Jan Ouwerkerk Duitsland, Deutschland, Germany, Berlin, Berlijn, 5.3.2016. Quedlinburger Strasse. Werkbund Stadt. Klausur und Auslosung der Grundstücke. Foto: Erik-Jan Ouwerkerk Duitsland, Deutschland, Germany, Berlin, Berlijn, 5.3.2016. Quedlinburger Strasse. Werkbund Stadt. Klausur und Auslosung der Grundstücke. Foto: Erik-Jan Ouwerkerk Duitsland, Deutschland, Germany, Berlin, Berlijn, 5.3.2016. Quedlinburger Strasse. Werkbund Stadt. Klausur und Auslosung der Grundstücke. Foto: Erik-Jan Ouwerkerk Duitsland, Deutschland, Germany, Berlin, Berlijn, 5.3.2016. Quedlinburger Strasse. Werkbund Stadt. Klausur und Auslosung der Grundstücke. Foto: Erik-Jan Ouwerkerk Duitsland, Deutschland, Germany, Berlin, Berlijn, 5.3.2016. Quedlinburger Strasse. Werkbund Stadt. Klausur und Auslosung der Grundstücke. Foto: Erik-Jan Ouwerkerk

7. Klausur

Thema Präsentation und Auswahl der Vorentwürfe
Datum 8. – 10. Juli 2016
Tagungsort Amsterdam

Die Vorentwürfe der Häuser wurden im Rahmen der 7. Konzept-Klausur vom 8. bis 10. Juli 2016 in Amsterdam präsentiert – drei von jedem Architekturbüro, drei für jedes Baufeld. Anhand von Modellen, Skizzen und Plänen haben die Architekten ihre Ideen zur WerkBundStadt vorgestellt. Auch hier haben, wie beim städtebaulichen Entwurf, nicht Externe juriert und entschieden, sondern alle beteiligten Architekten miteinander. Auch die Grundstückseigentümer und politischen Entscheidungsträger waren an dem Prozess beteiligt. Ziel des Verfahrens ist weiterhin, dass die WerkBundStadt ein Entwurf aller Beteiligten wird.

Parzellierungsplan
Parzellierungsplan mit Losen